Christoph Meinel (* 14. April 1954 in Meißen) ist ein deutscher Informatiker und emeritierter Professor für Internet-Technologien und Systeme zuletzt am Hasso-Plattner-Institut (HPI) der Universität Potsdam. Er ist einer der beiden Gründungspräsidenten der German University of Digital Science,[1] einer vollständig digital agierenden, innovativen Universität in Gründung. In den Jahren 2004–2023 war er Institutsdirektor und CEO des HPI und hat mit seinem Team die interaktive online Lernplattform openHPI entwickelt, die auch von der WHO, SAP und anderen Partnern genutzt wird. 2019 wurde er in die „New Internet IPv6 Hall of Fame“ aufgenommen.
Meinel ist seit Mai 2022 ehrenamtlich Vorstandsvorsitzender der nationalen Initiative MINT Zukunft schaffen.[2] Er ist Mitglied des Vorstandes des nationalen Excellence Netzwerks MINT-EC.
Meinel studierte von 1974 bis 1979 Mathematik und Informatik an der Humboldt-Universität Berlin, wurde dort 1981 zu Fragen der Komplexitätstheorie promoviert (Dr. rer. nat.) und habilitierte (Dr. sc. nat.) sich 1988 mit der Schrift Modified Branching Programs and Their Computational Power.[3] Von 1992 bis 2004 war er Professor für Theoretische Konzepte und neue Anwendungen der Informatik an der Universität Trier. Von 1996 bis 2002 war er Gründungsdirektor des Instituts für Telematik e. V. in Trier, das sich unter Betreuung der Fraunhofer-Gesellschaft mit Fragestellungen aus dem Gebiet der Internet- und Web-Technologien befasste. Von 1995 bis 2007 gehörte er dem wissenschaftlichen Direktorium des Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrums für Informatik im Schloss Dagstuhl an. Er war Gastprofessor und Senior Research Fellow an der Universität Luxemburg (2002–2010), ist Honorarprofessor an der School of Computer Sciences an der Technischen Universität Peking und Gastprofessor an den Universitäten von Shanghai und Dalian. Seit 2004 war Meinel Institutsdirektor und CEO des Hasso-Plattner-Instituts für Digital Engineering gGmbH (HPI) in Potsdam und Inhaber des Lehrstuhls für Internet-Technologien und Systeme. Von 2017 bis 2021 war er Gründungsdekan der Digital Engineering Fakultät der Universität Potsdam. Die Leitung des HPI hat er bei seiner Emeritierung im März 2023 abgegeben.[4] Nun baut er zusammen mit Mike Friedrichsen eine vollständig digital agierende Universität auf, die German University of Digital Science.[5]
Meinel ist Mitglied von acatech, der nationalen deutschen Akademie der Technikwissenschaften und gehört neben vielen weiteren akademischen Gremien dem Board of Governers des Technions in Haifa an. Er ist Teacher auf den MOOC-Plattformen openHPI und eGov-Campus und an der HPI School of Design Thinking.
Meinels Arbeitsschwerpunkte lagen zunächst in der theoretischen Informatik, und hier im Bereich Komplexitätstheorie und binäre Entscheidungsdiagramme. Später befasste er sich mit Internettechnologien, IT-Sicherheit sowie mit digitaler Bildung und neuen Formen des Lehrens und Lernens im Internet, etwa Teleteaching und E-Learning mit tele-TASK und openHPI. Er forschte auch zu Fragen der Information- und Internetsicherheit, z. B. dem Netzwerkschutz Lock-Keeper, dem Schutz vor unerwünschten und anstößigen Inhalten und der Sicherheit in Service-basierten Architekturen mit Anwendungen in der Telemedizin. Im Themenbereich der künstlichen Intelligenz entwickelte und untersuchte er energie- und speicherplatzsparende Low-Bit künstliche neuronale Netzwerke zum Deep Learning. Außerdem beschäftigt er sich wissenschaftlich mit Fragen des Wissensmanagements im Internet und neuen Formen des internetbasierten Lehrens und Lernens tele-TASK. In der Innovationsforschung hat er zum Design Thinking geforscht und war in den Jahren 2008–2022 zusammen mit Larry Leifer Programmdirektor des HPI-Stanford Design Thinking Research Program (HPDTRP).
Die von ihm initiierte und unter seiner Leitung entwickelte erste europäische MOOCs-Plattform openHPI bietet kostenlose interaktive online Kurse zu Themen der digitalen Aufklärung und Technologien. Mehr als 1,2 Mio. Lernende aus aller Welt sind eingeschrieben (Stand Okt. 2023) und können auch qualifizierte Zertifikate für die erfolgreiche Absolvierung von Online-Kursen erwerben. Dabei wird über die Webcam die Identität der Kursteilnehmer verifiziert.[6] Die openHPI Plattform wird inzwischen auch von anderen Partner genutzt, wie z. B. openWHO, openSAP, KI-Campus oder eGov-Campus mit zusammen über 16 Mio. Kurseinschreibungen.
Außerdem engagiert sich Meinel im Bereich der digitalen Bildung in den Schulen und steht bundesweiten Arbeitsgruppen vor, die Konzepte und sichere digitale Arbeitsumgebungen für das Lernen der Zukunft entwickeln. Auf seine Initiative gehen die Projekte „Bildungscloud“[7] und HPI Schul-Cloud[8] zurück, die einen niedrigschwelligen und datenschutzkonformen Zugang zu digitalen Bildungsangeboten in deutschen Schulen ermöglichen möchte. Die in den Jahren 2016–2021 vom BMBF geförderte und unter seine Leitung entwickelte HPI Schul-Cloud wird heute von Dataport AöR betrieben und ist in vielen Tausenden Schulen in allen Bundesländern, insbesondere in Thüringen, Brandenburg und Niedersachsen im Einsatz. Schüler und Lehrer können damit im Unterricht auf digitale Unterrichtsmittel zugreifen, digital kommunizieren, Texte, Präsentationen und Daten sicher speichern und austauschen und pseudonymisiert auf Lernsoftware aus dem Internet zugreifen.
Meinel ist Inhaber verschiedener internationaler Patente und hat u. a. das Teleteaching-System tele-TASK,[9] das Online-Kollaborationstool Tele-Board[10] oder den populären ID-Leak-Checker Service des HPIs entwickelt.[11]
Zusammen mit seinen Doktoranden hat Meinel eine Reihe von Start-ups gegründet. Am bekanntesten ist neXenio mit seiner Luca-App.
Meinel ist Herausgeber der vielbändigen Buchreihe Understanding Innovation des Springer-Verlags,[12] des wissenschaftlichen Online-Journals ECDTR - Electronic Colloquium on Design Thinking Research[13] und der "Internet-Bridge Germany-China[14]. Er war 1994 Initiator und Mitbegründer des Online-Journals zur Komplexitätstheorie ECCC - Electronic Colloquium on Computational Complexity[15] und dessen Herausgeber bis zum Jahr 2016.
In seiner Zeit am HPI leitete Meinel das Steering Committee des HPI Future SOC Labs und war viele Jahre Mitglied im Security Advisory Board von SAP. Zusammen mit Hasso Plattner war er Gastgeber des 1. Nationalen IT-Gipfels (HPI, Potsdam, 2006) der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zusammen mit Larry Leifer von der Stanford University hat er in den Jahren 2008–2022 das von ihm initiierte HPI-Stanford Design Thinking Research Program (HPDTRP) geleitet. 2019 wurde Christoph Meinel in die New Internet IPv6 Hall of Fame[16] aufgenommen. Damit wurde sein über Jahrzehnte andauerndes Engagement als Gründer und Chairman des German IPv6-Councils bei der Entwicklung und Verbreitung des neuen IPv6-Internetprotokollstandards gewürdigt.
Im Oktober 2020 schrieb Meinel, dass wer im Internet Standards setzen oder zumindest mitbestimmen will, digital souverän agieren können müsse. Nach aktuellem Stand sei Deutschland dazu nicht fähig. Die Abhängigkeit von ausländischen IT-Produkten, digitalen Plattformen und Infrastrukturen sei so groß geworden, dass selbstbestimmte Entscheidungen im digitalen Raum kaum noch getroffen werden könnten.[17]
Personendaten | |
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NAME | Meinel, Christoph |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Informatiker, Hochschullehrer und Universitätsgründer |
GEBURTSDATUM | 14. April 1954 |
GEBURTSORT | Meißen |