Curt Meyer-Clason absolvierte nach dem Besuch des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums Stuttgart eine Banklehre, anschließend eine kaufmännische Ausbildung, zunächst (1929–1932) in Stuttgart, dann (1933–1936) in Bremen. Er arbeitete als kaufmännischer Angestellter in Bremen und ab 1936 als selbstständiger Kaufmann für eine nordamerikanische Baumwollfirma in Frankreich, Argentinien und ab 1937 in São Paulo. 1940 eröffnete er ein Kontor in São Paulo.[4] Sein autobiographisch geprägter Roman Äquator spiegelt die Faszination, mit der Brasilien ihn umfing: „Ein Erdteil verschluckte ihn.“[5] Von 1942 bis 1946 war er als „feindlicher Ausländer“ auf der Ilha Grande vor Rio de Janeirointerniert.[6] In dieser Zeit entdeckte er die Literatur. 1955 kehrte er nach Deutschland zurück und arbeitete als freier Verlagslektor in München. Ab den 1960er Jahren nahm seine Übersetzertätigkeit, vor allem portugiesischer, spanischer und lateinamerikanischer Autoren, immer breiteren Raum ein.
Curt Meyer-Clason, der auch als Erzähler und Essayist hervorgetreten war, hat mit seinen zahlreichen Übersetzungen sowie als Herausgeber von Anthologien einen wichtigen Beitrag zur Rezeption der neueren lateinamerikanischen Literatur im deutschen Sprachraum geleistet.
Curt Meyer-Clason verstarb im Alter von 101 Jahren am 13. Januar 2012. Nachrufe auf ihn erschienen in der FAZ am 19. Januar 2012 und von Tilman Spengler in Die Welt am 20. Januar 2012.
Adonias Filho: Corpo vivo, Frankfurt am Main 1966; Das Fort, Hamburg 1969
Rafael Alberti: Zwischen Nelke und Schwert, Schwifting 1986
Jorge Amado: Die Abenteuer des Kapitäns Vasco Moscoso, München 1964; Dona Flor und ihre zwei Ehemänner, München 1968; Die drei Tode des Jochen Wasserbrüller, München 1964; Nächte in Bahia, München 1965; Vom Wunder der Vögel, Hamburg 1994
Eric Blau: Der Bettelbecher, Bergisch Gladbach 1994
Jorge Luis Borges: Buch der Träume, München 1981; David Brodies Bericht, München 1972; Geschichte der Nacht, München 1984; Lob des Schattens, München 1971
Alphonse Boudard: Die Metamorphose der Kellerasseln, Frankfurt am Main 1966
Ferreira Gullar: Faule Bananen und andere Gedichte, Frankfurt am Main 1986; Der grüne Glanz der Tage, München 1991 (zusammen mit Inés Koebel); Schmutziges Gedicht, Frankfurt am Main 1985
Ronald Hardy: Die Männer aus dem Busch, Wiesbaden 1960
João Cabral de Melo Neto: Ausgewählte Gedichte, Frankfurt am Main 1969; Erziehung durch den Stein, Frankfurt am Main 1989; Der Fluß, St. Gallen 1993; Der Hund ohne Federn, Hamburg 1970; Tod und Leben des Severino, Wuppertal 1975; Der Weg des Mönchs, St. Gallen 1988
João Guimarães Rosa: Corps de ballet, Köln 1966; Doralda, die weiße Lilie, Frankfurt am Main 1982; Das dritte Ufer des Flusses, Köln 1968; Grande Sertão, Köln 1964; Mein Onkel, der Jaguar, Köln 1981; Miguilims Kindheit, München 1970; Sagarana, Köln 1982; Tutaméia, Köln 1994
Pedro Tierra: Zeit der Widrigkeiten, St. Gallen 1990
Miguel Torga: O Brasil, Freiburg 1994; Die Erschaffung der Welt, Freiburg 1991; Findlinge, Freiburg 1993; Neue Erzählungen aus dem Gebirge, Freiburg 1990; Senhor Ventura, Freiburg 1992; Tiere, Freiburg 1989
↑Orlando Grossegesse: Curt Meyer-Clason. Verwandlungskünstler zwischen Brasilien und Deutschland. In: Tópicos, ISSN0949-541X, Jg. 49 (2010), Heft 3, S. 48–49, hier S. 48.
↑Zitiert nach: Würdigung (Memento vom 28. Februar 2017 im Internet Archive) des Deutschen Lusitanistenverbandes zum 100. Geburtstag von Curt Meyer-Clason, abgerufen am 27. Februar 2017. Der nicht namentlich genannte Autor des größten Teils des Textes ist Orlando Grossegesse.
↑Orlando Grossegesse: Curt Meyer-Clason. Verwandlungskünstler zwischen Brasilien und Deutschland. In: Tópicos, Jg. 49 (2010), Heft 3, S. 48–49, hier S. 49.