Der kleine Lord (englischer Originaltitel: Little Lord Fauntleroy) ist ein Roman von Frances Hodgson Burnett. Er wurde nach der Erstausgabe im Jahr 1886 als Kinderbuch in vielen Sprachen sehr erfolgreich und ist mehrfach verfilmt worden. Das Buch war auch für die Autorin ein Erfolg. Zudem schrieb sie Rechtsgeschichte, als sie 1888 erstmals erfolgreich in einem Präzedenzfall in England die Aufführungsrechte für dieses Werk einklagte.[1]
Cedric Errol ist ein kleiner Junge aus New York in den USA, dessen Umfeld die Aristokratie strikt ablehnt. Trotz der standeswidrigen Ehe seines verstorbenen Vaters wird Cedric von seinem kaltherzigen englischen Großvater, dem Earl of Dorincourt, als letzter verbliebener Nachfolger für den Grafentitel bei sich aufgenommen und aufgezogen. Seine Mutter, eine Amerikanerin, darf das Anwesen des Earls aufgrund seines Standesdünkels und seiner Voreingenommenheit gegen Amerika nicht betreten.
Cedric, der jetzt den Höflichkeitstitel „Lord Fauntleroy“ trägt, veranlasst seinen Großvater, der durch den offenherzigen und liebenswerten Jungen nach und nach zugänglicher wird, das Armenviertel des Dorfes (in dem seine Pächter wohnen) instand zu setzen. Cedric kümmert sich um die Vernachlässigten, ebenso wie seine Mutter, die im Ort unweit des Schlosses lebt, die er aber nach Belieben besuchen darf. Sie nimmt den Unterhalt des Earls aus Gewissensgründen nicht an, sondern gibt ihn an die Armen weiter.
Am Ende schafft es der kleine Lord, dass sein Großvater Liebe und Großzügigkeit zeigt und seine Mutter akzeptiert. Hierbei spielt mit eine Rolle, dass inzwischen eine Betrügerin versucht, ihren Sohn als den rechtmäßigen Erben des Titels durchzusetzen, und dem Earl klar wird, dass seine Schwiegertochter – entgegen seinen ursprünglichen Vorurteilen – eine liebenswerte Frau mit hohen Charaktereigenschaften ist. Die Schwindlerin Minna wird mit Hilfe von Cedrics alten Freunden aus Amerika entlarvt, und die Geschichte endet mit einem gemeinsamen Fest auf Schloss Dorincourt, mit dem Cedrics achter Geburtstag gefeiert wird. Zwei der Freunde aus dem früheren Umfeld bleiben in England und werden zu Anhängern der Monarchie.
In deutscher Sprache sind bis heute mehr als dreißig Ausgaben erschienen, deren Unterschied in der Übersetzung, Bearbeitung und/oder Illustration liegt. Die modernen Übersetzungen in deutscher Sprache sind fast durchweg gekürzt, häufig um ein Fünftel, um das Buch auch für Kinder der heutigen Zeit lesbar zu gestalten.[2]
↑Nic Leonhardt: Theater über Ozeane: Vermittler transatlantischen Austauschs (1890–1925). Dissertation. V&R unipress (Vandenhoeck & Ruprecht Verlag), Göttingen 2018, ISBN 978-3-8471-0805-4, S. 140. Siehe auch L. M. Rutherford: British Children's Writers 1880–1914.(1974). In: Laura M. Zaldman: Dictionary of Literary Biography. Volume 141, Gale Research Literature Resource Center, Detroit 1994, ISBN 0-8103-5555-8, S. 59–78.
↑Frances Hodgson Burnett: Der kleine Lord. Aus dem Englischen übersetzt von Cornelia Krutz-Arnold. Mit Bildern von Klaus Müller, 7. Auflage. 2002, Arena, Würzburg 1995, ISBN 3-401-04566-0. Mit einem Nachwort von Freya Stephan-Kühn, S. 208–212.