In Geestgottberg herrscht gemäßigtes Klima. Dieses wird von Osten vom Kontinentalklima und vom Westen vom atlantischen Seeklima beeinflusst. Der durchschnittliche jährliche Niederschlag für Geestgottberg liegt bei 552 mm. Trockenster Monat ist der Februar mit einer Niederschlagsmenge von 32 mm, wohingegen der meiste Niederschlag im Juni mit durchschnittlich 63 mm fällt. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8,9 °C. Der statistisch wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlichen 17,8 °C. Der Monat Januar, als kältester Monat im Jahr, weist eine Durchschnittstemperatur von 0 °C auf.[7]
Die Besiedlung der Region erfolgte nach der Eindeichung der Elbe durch niederländische Kolonisten etwa im 13./14. Jahrhundert.[8] Gottberg wurde 1305 als Dorf Gotberg erwähnt.[9]
Im Jahre 1541 wurde die ghest zu Gotbergk genannt, 1600 hieß es Ufm Geist zu Gottberge.[10] 1686 dann Das Dorff Geist Gottberg, so auch von Bauscherege, Sengepels und die Alintschen genannt wirdt.[11] Weitere Nennungen sind 1720 Büschewehr, Sengebeltz und 1722 Geist-Gottberg.[10] 1804 ist Geest-Gottberg oder Geist-Gottberg ein Dorf und ein Gut mit einem Krug und zwei Windmühlen an der Elbe.[12] Sie standen im heutigen Wohnplatz Märsche.[5]
Märsche und Wiesen im Vorland des Elbdeiches tragen Namen wie Sengepeck oder Hexenmärsche. Dort haben Hexenverbrennungen stattgefunden.[8]
Im Jahre 1982 wurde der Jugendbahnhof Geestgottberg der Deutschen Reichsbahn mit einem Kampfappell eingeweiht. Zu der Zeit wurde die Bahnstrecke Stendal–Wittenberge elektrifiziert und der Oberbau erneuert. Dafür hatte die Reichsbahndirektion Magdeburg gezielt junge Leute ausgewählt, die durch ihre ökonomische und gesellschaftliche Arbeit im gesamten Reichsbahnbereich einen guten Namen hatten.[13]
Jugendliche helfen beim Drusch in der LPG „Neues Deutschland“ (1958)Bau eines Rinderoffenstalls in Geestgottberg (1958)
Bei der Bodenreform 1945 wurde festgestellt: 30 Besitzungen unter 100 Hektar hatten zusammen 941 Hektar, 2 Kirchenbesitzungen hatten zusammen 38 Hektar, eine Gemeindebesitzung hatte 3 Hektar. Drei Besitzungen mit zusammen 585 Hektar wurden von der SMAD verwaltet und bewirtschaftet. Enteignet wurden 3 Betriebe: ein Ackerhof, wohl der Burghof, die Rittergüter Gottberg und Eickhof. 1948 hatten aus der Bodenreform 55 Vollsiedler jeder über 5 Hektar erworben und 16 Kleinsiedler jeder unter 5 Hektar. Im Jahre 1953 entstand die erste LPG, die LPG Typ III Neues Deutschland. 1959 entstanden die zweite, eine LPG Typ I Neues Leben und eine dritte, die LPG Typ I Fortschritt. Viele Bauern wurden am Anfang der 1950er Jahre gezwungen, in die LPG einzutreten. Im Juni 1953 war bereits eine Zwangsenteignung und Zwangsdeportation von Großbauern vorbereitet worden. Der Erlass wurde aufgrund der Ereignisse um den Aufstand vom 17. Juni 1953 von der Regierung wieder aufgehoben.
1960 gehörten zur LPG Typ III Neues Deutschland 130 Mitglieder, die LPGn vom Typ I Neues Leben, Fortschritt und Aland hatten mit 29 Mitglieder. 1961 wurden die drei LPGn vom Typ I an die LPG Typ III angeschlossen und diese 1970 an die LPG Typ III Thomas Müntzer Krüden angeschlossen. Durch weitere Zusammenschlüsse entstand die LPG Lenin. Sie verfügte 1986 im Ort über eine Jungrinderanlage und eine Milchviehanlage.
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde die LPG in die Landwirtschaft-, Erzeuger-, Bezugs- und Absatzgenossenschaft Geestgottberg (LEBAG) umgewandelt, deren Liquidation von 1991 bis 2004 dauerte.[10] Karsten Dittmer berichtete im Jahre 2008 aus jener Zeit in Geestgottberg über die Verhaftung von Bauern wegen Wirtschaftsspionage.[14]
Für Geest gibt es zwei Erklärungen: Geest heißt im Niederländischen Geist. Als Geest wird aber auch ein höhergelegenes, nichtfruchtbares Land (Flugsandansammlung) bezeichnet. Da hier aber schwerer fruchtbarer Wischeboden vorherrscht, erscheint die zweite Deutung unpassend.
Gottberg kann als Himmelsgott oder als Eigenname verstanden werden.[15] Im Jahr 1246 wurde ein Bolde de Gotberge in Wittenberge als Zeuge genannt.[16] Das Dorf Gottberg könnte auch nach einer Familie gleichen Namens benannt sein oder umgekehrt.
Aus beiden Bezeichnungen entstand der Ortsname Geest-Gottberg und später Geestgottberg.
Der mittelalterliche Burgwall ist abgetragen.[17] Wahrscheinlich lag dieser Wall beim Burgkrug. In der Nähe von Geestgottberg hatte man ein Leuchtermännchen aus dem 14. Jahrhundert gefunden, das sich am Anfang des 20. Jahrhunderts im Altmärkischen Museum in Stendal befand.[15]
Am 30. September 1928 wurde ein Teil vom GutsbezirkEickhof mit der Landgemeinde Geestgottberg vereinigt, der andere Teil, die Flächen des Gastwirts Schatz, wurden mit der Landgemeinde Losenrade vereinigt.[18]
Die Gemeinde Geestgottberg kam am 25. Juli 1952 zum neu gebildeten Kreis Seehausen. Am 2. Juli 1965 war dieser Kreis wieder aufgelöst worden und Geestgottberg ist in den Kreis Osterburg umgegliedert worden. Ab dem 1. Juli 1994 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Stendal.[19] Bis zum 31. Dezember 2009 war Geestgottberg eine selbstständige Gemeinde mit den Wohnplätzen Eickhof, Hohe Geest und Märsche und gehörte der aufgelösten Verwaltungsgemeinschaft Seehausen (Altmark) an.
Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Beuster (am 8. Juni 2009), Geestgottberg (am 9. Juni 2009), Losenrade (am 22. Juni 2009) und der Hansestadt Seehausen (Altmark) (am 29. Juni 2009), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Seehausen (Altmark) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.[20]
Die evangelischen Christen aus Geestgottberg gehörten früher zur Kirchengemeinde Groß Beuster und damit zur Pfarrei Groß Beuster in der Altmark.[26] Sie gehören heute zur Kirchengemeinde Beuster und werden betreut vom Pfarrbereich Beuster des Kirchenkreises Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.[27][28]
Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Groß Beuster mit Angaben zu Geestgottberg stammen aus dem Jahre 1673.[29]
Die evangelische Dorfkirche Geestgottberg ist eine ehemalige Baubaracke aus den 1980er Jahren mit einem 2002 von einer Tischlerei aus Beuster errichteten Fachwerk-Glockenturm.[31]
Das Geestgottberger Schöpfwerk, ein Pumpenhaus, ist ein technisches Denkmal am Geestgottberger Polder im Westen des Ortsteils.[3]
Unter dem Namen Die brennende Lanze erzählte 1994 Hanns H. F. Schmidt die folgende Sage nach. Wo die alte Heerstraße von Krüden nach Geestgottberg den Aland überquert (heutige Alandstraße), soll eine alte Burgstelle gewesen sein, an die bis ins 20. Jahrhundert der Burgkrug erinnerte.[34] Der Lehrer Siebert erzählte die Sage im Jahre 1901 so weiter. Die Burg war von Sümpfen umgeben und wurde vom Rittergeschlecht derer von Kracht bewohnt. Heinrich von Kracht hatte an dem Kreuzzug unter Kaiser Rotbart teilgenommen und kehrte nach mehrjähriger Abwesenheit zurück. Kurz vor der Burg erschien dem Ritter auf dem Heimwege in der Nacht eine lange feurige Lanze, die am Weg einen Brand entfachte, den er vergebens zu löschen versuchte. Als er am nächsten Morgen besorgt zur Brandstätte kam, hatte sich die Asche des verbrannten Holzes zu Gold verwandelt.[35]
Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S.815–818, doi:10.35998/9783830522355 (E-Book zur zweibändigen Druckausgabe).
Wilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.174–175 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege).
J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes: Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. Hrsg.: J[ohann] A[ugust] F[riedrich] Hermes, M[ichael] J[ulius] Weigelt. Zweiter, oder topographischer Teil. Selbstverlag und W. Heinrichshofen in Kommission, Magdeburg 1842, OCLC1071081004, S.370, 43. Geestgottberg (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
↑Verzeichnis Gemeinden und Gemeindeteile. Gebietsstand: 1. April 2013 (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Verzeichnisse / 003. Nr.2013). Halle (Saale) Mai 2013, S.117 (destatis.de [PDF; 1,6MB; abgerufen am 24. August 2019]).
↑ abcdePeter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil XII). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-8305-2235-5, S.815–818, doi:10.35998/9783830522355 (E-Book zur zweibändigen Druckausgabe).
↑zitiert nach Rohrlach: LHASA, Rep. Da Dambeck, L 2, Nr. 2, fol 10
↑Horst Pecher: Jugendbahnhof Geestgottberg. Hrsg.: Helmut Kurt Block und Kulturförderverein Östliche Altmark (= Das Wissen der Region. Band3). 1. Auflage. Edition Kulturförderverein Östliche Altmark, Kremkau 2008, DNB994253249, S.155–157.
↑Karsten Dittmer: Aus dem Leben des Landwirtes Heinrich Dittmer. Hrsg.: Helmut Kurt Block und Kulturförderverein Östliche Altmark (= Das Wissen der Region. Band3). 1. Auflage. Edition Kulturförderverein Östliche Altmark, Kremkau 2008, DNB994253249, S.144–148.
↑ abErnst Haetge: Der Kreis Osterburg (= Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen. Band4). Hopfer, Burg bei Magdeburg 1938, DNB361451652, S.106.
↑Barbara Fritsch: Städte - Dörfer - Friedhöfe. Archäologie in der Altmark. Band 2. Vom Hochmittelalter bis zur Neuzeit. Burgwälle, Steinkreuze und Großsteingräber. Hrsg.: Hartmut Bock (= Beiträge zur Kulturgeschichte der Altmark und ihrer Randgebiete. Band8). dr. ziehten verlag, Oschersleben 2002, ISBN 978-3-935358-36-1, S.507.
↑Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. 1928, ZDB-ID 3766-7, S.213.
↑Gebietsänderungsvertrag Hansestadt Seehausen. In: Landkreis Stendal (Hrsg.): Amtsblatt für den Landkreis Stendal. 19. Jahrgang, Nr.17. Stendal 12. August 2009, S.183ff. (landkreis-stendal.de [PDF; abgerufen am 25. Juni 2020]).
↑ abcWilhelm Zahn: Heimatkunde der Altmark. Nach Hinterlassenschaften des Verfassers bearbeitet von Martin Ehlies. 2. Auflage. Verlag Salzwedeler Wochenblatt, Graphische Anstalt, Salzwedel 1928, OCLC614308966, S.174–175 (Reprint 2018, SelbstVerlag Eugen & Constanze Gliege).
↑Bevölkerung der Gemeinden nach Landkreisen (= Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Statistische Berichte / A / I / A / II / A / III / 102). ZDB-ID 2921504-3 (destatis.de). (Jahr anklicken)
↑ abAndreas Puls: Orte verlieren 122 Einwohner in 12 Monaten. In: Volksstimme Magdeburg, Lokalausgabe Osterburg. 21. Februar 2013 (volksstimme.de [abgerufen am 19. Juni 2019]).
↑ abRalf Franke: Seehausen hat mehr Zuzügler. In: Osterburger Volksstimme, Biese-Aland-Kurier. 14. Januar 2022, DNB1047269554, S.17.
↑Pfarr-Almanach oder die evangelischen Geistlichen und Kirchen der Provinz Sachsen der Grafschaften Wernigerode, Rossla und Stolberg. 19. Jahrgang, 1903, ZDB-ID 551010-7, S.106 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
↑Ernst Machholz: Die Kirchenbücher der evangelischen Kirchen in der Provinz Sachsen. In: Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. 30. Heft, 1925, ZDB-ID 504809-6, S.15 (genealogy.net [Volltext und Scan]).
↑Hanns H. F. Schmidt: Das große Sagenbuch der Altmark. Teil 1 von A wie Abbendorf bis K wie Kläden. dr. ziethen verlag, Oschersleben 1994, ISBN 3-928703-38-2, S.84.
↑Lehrer Siebert: Altmärkischer Sagenschatz. 4. Gesstgottberg (= Lehrerverband der Altmark [Hrsg.]: Beiträge zur Volks- und Heimatkunde der Altmark. Band2). Klinkhardt, 1908, ZDB-ID 1198714-5, S.172–173.