Die Hessea-Arten wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 12 bis zu 30 Zentimetern erreichen. Sie bilden Zwiebeln als Überdauerungsorgane, die einen Durchmesser von 1 bis 6 Zentimetern aufweisen und meist nicht aus dem Boden herausragen. Die Zwiebeln sind von dünnen und faserartigen oder dicken und filzartigen Zwiebelhüllen (Tunica) bedeckt. Bei diesen Geophyten sind während der Blütezeit in der Trockenzeit die Blätter vertrocknet und frische Blätter treiben erst nach der Blütezeit wieder aus.
Die meist nur zwei, selten bis zu vier nur grundständig und zweireihig angeordneten, ausgebreiteten Laubblätter sind ungestielt. Die einfachen Blattspreiten sind fadenförmig, lineal oder schmal-riemenförmig und parallelnervig. Die Blattflächen sind kahl bis winzig weich behaart. Der Blattrand ist glatt.
Der schlanke, nicht hohle Blütenstandsschaft weist eine Länge von 2 bis 22 Zentimetern auf. 4 bis 25 Blüten stehen in einem bei einem Durchmesser von 2,5 bis 12 Zentimetern mehr oder weniger halbkugeligen, doldigenBlütenstand zusammen. Im knospigen Zustand umhüllen zwei schmal-lanzettliche, häutige Tragblätter (Spatha genannt) den Blütenstand, sie verwelken früh während der Anthese. Die Blütenstiele sind deutlich länger als die Blütenhülle.
Die relativ kleinen Blüten sind zwittrig, radiärsymmetrisch und dreizählig. Die sechs gleichgeformten Blütenhüllblätter sind frei oder nur an ihrer Basis zu einer bei einer Länge von höchstens 12 Millimeter kurzen Röhre verwachsen. Die Blütenhülle ist stielteller- oder trichterförmig. Die freien Bereiche der Blütenhüllblätter sind sternförmig ausgebreitet, mit glattem oder gekraustem Rand. Die Blütenhüllblätter sind meist rosafarben oder selten weiß bis zitronengelb, mit oder ohne dunklem Zentrum. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, selten sind sie in den beiden Kreisen verschieden. ausgebreiteten, mehr oder weniger gleichen überragen die Blütenhülle. Die in der Perigonröhre inserierten Staubfäden besitzen manchmal an der Innenseite ein hakenförmiges Anhängsel und sie sind immer an ihrer Basis zu einer kurzen bis langen Röhre verwachsen. Die Staubbeutel sind mehr oder weniger centrifix. Die bisulculaten Pollenkörner besitzen eine stachelige Exine. Drei Fruchtblätter sind zu einem fast kugeligen, dreikammerigen, unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Jede Fruchtknotenkammer enthält bis zu vier, selten bis zu sieben unitegmische Samenanlagen. Der dünne, gerade Griffel endet mit einer winzig dreispaltigen Narbe und überragt meist die Blütenhülle.
In der Blütezeit im südafrikanischen Herbst verwandeln die großen Bestände von Hessea-Arten oft die Landschaft in rosafarben- oder weißblühende Flächen. Die Bestäubung erfolgt je nach Art durch sehr unterschiedliche Insekten (Entomophilie). Besonders die Arten mit hakenförmigen Anhängseln werden von Fliegen, die übrigen von Bienen und anderen Insekten bestäubt.
Die relativ kleinen, fast kugelförmigen, lokuliziden Kapselfrüchte sind besitzen eine papierartige Fruchtwand. Die bei einem Durchmesser von etwa 5 mm eiförmigen Samen sind rötlich-grün und fleischig. Die Samenschale ist mit Stomata bedeckt. Integument und Embryo sind grün.
Hessea cinnamomea und Hessea monticola gedeihen in sumpfigen Gebieten auf der Kap-Halbinsel und in den Western Cape Mountains; sie blühen nach Buschbränden zu Tausenden.
Der Gattungsname Hessea wurde 1837 durch William Herbert in Amaryllidaceae, S. 289 erstveröffentlicht. Der Gattungsname Hessea ehrt den deutschen Geistlichen und Sukkulentenzüchter in Kapstadt Christian Heinrich Friedrich Hesse (1772–1832).[1]Typusart ist Hessea stellaris(Jacq.) Herb. Ein Homonym ist HesseaP.J.Bergius ex D.F.L. von Schlechtendal, veröffentlicht in Linnaea, 252, 1, S. 1826.[2]Synonyme von HesseaHerb. sind PeriphanesSalisb. und KamiesbergiaSnijman. Ob die je zwei Arten der Gattungen DewinterellaD.Müll.-Doblies & U.Müll.-Doblies und NamaquanulaD.Müll.-Doblies & U.Müll.-Doblies in Hessea eingegliedert sind, wird kontrovers diskutiert[3][4].
Die Gattung Hessea gehört zur Subtribus Strumariinae aus der Tribus Amaryllideae in der Unterfamilie Amaryllidoideae innerhalb der Familie der Amaryllidaceae. Früher wurde sie auch in die Familie der Liliaceae eingeordnet.[5]
Hessea brevifloraHerb. (Syn.: Hessea bachmannianaSchinz, Hessea brachyscyphaBaker, Hessea dregeanaKunth, Hessea longitubaD.& U.Müll.-Doblies, Hessea zeyheriBaker, Periphanes brachyscypha(Baker) F.M.Leight., Periphanes dregeana(Kunth) F.M.Leight., Periphanes zeyheri(Baker) F.M.Leight.): Sie kommt im Nordkap und Westkap vor. Sie wird in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea cinnamomea(L'Hér.) T.Durand & Schinz (Syn.: Hessea crispa(Jacq.) Kunth, Periphanes cinnamomea(L'Hér.) F.M.Leight.): Sie kommt im Fynbos nur im Westkap auf der Kap-Halbinsel, Riverlands und Joostenberg vor. Die Gefährdung nimmt durch Habitatverlust verursacht durch Urbanisierung und Landwirtschaft zu. Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Endangered“ = „stark gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea incanaSnijman: Dieser 1988 erstbeschriebene Endemit kommt nur in Höhenlagen von etwa 1035 Meter in der Umgebung von Khamiesberg in Namaqualand vor. Die nur drei Standorte sind durch Landwirtschaft gefährdet. Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Vulnerable“ = „gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea mathewsiiW.F.Barker (Syn.: Dewinterella mathewsii(W.F.Barker) D.Müll.-Doblies & U.Müll.-Doblies): Sie gedeiht nur auf über Kalkstein an der Westküste. Sie ist stark gefährdet und wenn die Habitatverluste weiter so voranschreiten werden die Wildbestände aussterben. Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Critically Endangered“ = „vom Aussterben bedroht“ bewertet.[7]
Hessea monticolaSnijman: Sie kommt im Nordkap und Westkap vor. Sie wird in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea pilosulaD.Müll.-Doblies & U.Müll.-Doblies: Sie kommt in der Sukkulenten-Karoo im Nordkap nur von Steinkopf bis Hondeklipbaai vor. Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Rare“ = „selten aber nicht gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea pulcherrima(D.Müll.-Doblies & U.Müll.-Doblies) Snijman (Syn.: Dewinterella pulcherrima(W.F.Barker) D.Müll.-Doblies & U.Müll.-Doblies): Sie kommt im Nordkap nur in der Bokkeveld-Schichtstufe vor. Dort gedeiht sie im Fynbos an saisonal-feuchten Standorten in schweren Tonböden. Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Rare“ = „selten aber nicht gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea pusillaSnijman: Sie kommt im Nordkap nur über Sandstein in der Bokkeveld-Schichtstufe vor.
Hessea speciosaSnijman: Sie kommt im Nordkap vor. Sie wird in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea stellaris(Jacq.) Herb. (Syn.: Hessea cinnabarinaD. & U.Müll.-Doblies, Hessea weberlingiorumD. & U.Müll.-Doblies, Periphanes stellaris(Jacq.) Salisb.): Sie kommt im Nordkap und Westkap vor. Sie wird in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea stenosiphon(Snijman) D.Müll.-Doblies & U.Müll.-Doblies (Syn.: Kamiesbergia stenosiphonSnijman): Sie kommt in Namaqualand vor und bevorzugt Standorte über Granit. Sie ist nur von fünf Standorten bekannt, diese sind aber unzugänglich und deshalb ist diese Art zwar selten aber nicht gefährdet.[7]
Hessea tenuipedicellataSnijman: Dieser 1999 erstbeschriebene Endemit kommt in Namaqualandin der Sukkulenten-Karoo nur im nördlichen Knersvlakte vor. Sie gedeiht in Bodentaschen auf Granitkuppen. Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Vulnerable“ = „gefährdet“ bewertet.[7]
Hessea undosaSnijman: Sie kommt im Westkap in Gifberg und Matsikamma-Bergen vor. Sie gedeiht im offenen, trockenen Berg-Fynbos, an feuchten Standorten über Sandstein auf Tafelbergen in Höhenlagen von etwa 600 Metern. Habitatverluste erfolgten durch Naturkatastrophen. Sie wurde 2009 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Südafrikas als „Vulnerable“ = „gefährdet“ bewertet.[7]
John C. Manning, Peter Goldblatt, Dee Snijman: The Color Encyclopedia of Cape Bulbs, 2002, Timber Press, Portland. ISBN 0-88192-547-0: Hessea auf S. 131–134 (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen und Nutzung)
D. A. Snijman: A new species, notes on subgeneric taxa, and new synonyms in Hessea (Amaryllidaceae: Amaryllideae) from South Africa. In: Novon, Volume 9, Issue 1, 1999, S. 107–110.
↑Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-946292-10-4, S. 460. doi:10.3372/epolist2016. PDF.
↑Hessea bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 10. Februar 2012.
↑Kulessa K. Weichhardt, T. Borner, J. Schmitz, U. Müller-Doblies, D. Müller-Doblies: Controversial taxonomy of Strumariinae (Amaryllidaceae) investigated by nuclear rDNA (ITS) sequences: 1. Hessea, Namaquanula, Kamiesbergia and Dewinterella. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 223 (1–2), 2000, S. 1–13.
↑Hessea im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 10. Februar 2012.