Frühling: Umstellung von Normalzeit auf Sommerzeit – die Uhr wird um eine Stunde vorgestellt.
Die Sommerzeit ist die im Sommerhalbjahr meist um eine Stunde vorgestellte Uhrzeit einer Zeitzone. In Mitteleuropa spricht man von der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ; UTC+2). Der offizielle Ausdruck für die dortige Normalzeit bzw. Zonenzeit lautet Mitteleuropäische Zeit (MEZ; UTC+1). Die Mitteleuropäische Hochsommerzeit (MEHSZ; UT+3) – auch „doppelte Sommerzeit“ genannt – war eine Spezial-Zeitzone in den Jahren 1945 und 1947 in Deutschland. Sie entsprach der British Double Summer Time UT+2 als Sommerzeit der War Time UT+1 (WEZ/GMT+1).
Im Folgenden bezeichnet ME(H/S)Z auch die historischen Zeitangaben (Berliner Zeit, Wiener Zeit, u. a.); Bezug bis 1928 GMT, bis 1968 UT, ab 1968 UTC als Weltzeit.
Eine viel benutzte Quelle für (historische) Sommerzeit-Angaben ist The International Atlas von Thomas Shanks und Rique Pottenger[1] sowie Edward Whitmans „World Time Differences“.[2] Das halbjährlich aktualisierte Standard Schedules Information Manual der IATA gibt über die aktuell gültigen Sommerzeiten Auskunft.
Die Internet Assigned Numbers Authority führt auf ihrer Webseite eine weltweit gültige, stets aktualisierte und von Computern lesbare Liste sämtlicher Zeitzonen und Sommerzeiten.[3] Damit Zeitspannen auch über Sommerzeit-Änderungen (und Wechsel der Zeitzonen) hinweg korrekt berechnet werden, sind darin auch historische Sommerzeit-Regelungen angegeben. Ein Beispiel für einen solchen Eintrag ist Malta:
# Rule NAME FROM TO TYPE IN ON AT SAVE LETTER/S
Rule Malta 1975 1979 - Apr Sun>=15 2:00 1:00 S
Rule Malta 1975 1980 - Sep Sun>=15 2:00 0 -
Diese Zeilen besagen, dass von 1975 bis 1979 die Uhr um 2 Uhr morgens um eine Stunde vorgestellt wurde, und zwar am ersten Sonntag im April, der auf den 15. oder einen späteren Kalendertag fällt. Im September wurde die Uhr nach der gleichen Regel auf die normale Zeit zurückgestellt.
Seit 1980 propagiert die Europäische Union (vormals EWG/EG) eine gemeinsame Sommerzeitregelung, die auch in diversen anderen assoziierten Staaten übernommen wurde. Sie erstreckte sich anfangs vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im September, Zeitumstellung um 02:00 MEZ (01:00 UTC) ↔ 03:00 MESZ. 1996 wurde sie bis zum letzten Sonntag im Oktober ausgedehnt.
In Österreich[6]
wurde 1916 die Sommerzeit eingeführt. Sie galt bis 1920 mit Ausnahme 1919, wobei Salzburg 1920 schon am 1. Mai zurückstellte.[7]
Mit dem Anschluss Österreichs 1938 an das Deutsche Reich galten dessen Regelungen bis zum Einmarsch der Alliierten[6] und der Rücknahme nationalsozialistischer Regelungen. Von 1946 bis 1948 beschloss Österreich dieselben Regelungen wie Westdeutschland exklusive der Hochsommerzeit.
1980 wurde die Sommerzeit wie in Deutschland wieder eingeführt, im Einführungsjahr nach der damaligen gesetzlichen Vorschrift 24:00 MEZ (01:00 UTC) → 01:00 MESZ; Rückstellung 24:00 MESZ (02:00 UTC) → 23:00 MEZ, mit den Datumssprüngen eine ähnlich unübersichtliche Regelung wie 1916. Seit dem EU-Beitritt 1995 wird in den Verordnungen direkt auf die EU-Regelungen verwiesen.
In der Schweiz[10]
galt in den Jahren 1941 und 1942 die Sommerzeit von Anfang Mai bis Anfang Oktober. Seit 1981 gilt die gleiche Sommerzeitregelung wie in den Nachbarstaaten.
In den Niederlanden[11]
war die Bezugzeit des frühen 20. Jahrhunderts die Amsterdamer Zeit (Amsterdamse Tijd AT). 1916 wurde die Sommerzeit Amsterdamse Zomertijd (AZT) eingeführt, die mit wechselnder Regelung bis 1939 galt.
Mit der Besetzung durch das Deutsche Reich am 10. Mai 1940 wurde die Berliner Zeit (MEZ, AT–0:40) eingeführt, es galten hier dieselben Regelungen bis zur beginnenden Befreiung im September 1944, als dann die British Double Summer Time UT+2 und dann die War Time (British Summer Time) UT+1 Anwendung fanden. Die Rückkehr zur Mitteleuropäischen Zeit erfolgte Anfang Oktober 1944.
Nach 1944 gab es, obwohl diese im benachbarten Deutschland noch bis 1949 galt, keine Sommerzeit mehr. 1977 wurde die Sommerzeit wieder eingeführt, ab 1981 galt die EEG/EG-Regelung.
Die Türkei hat im September 2016 infolge der Ablehnung einiger EU-Staaten bzgl. eines möglichen EU-Beitritts aus politischen Gründen beschlossen, durchgängig die Sommerzeit zu behalten, und befindet sich damit das ganze Jahr über unverändert in der FET (Further-Eastern European Time ZoneUTC+3).[12] Vorher nutzte man von Ende Oktober bis Ende März UTC+2, OEZ (Osteuropäische Zeit).
Das große Istanbul liegt auf 29,0° Ost sehr genau am Zeitmeridian E30° für UTC+2, die viel kleinere Hauptstadt Ankara auf 32,9° Ost, der Flächenschwerpunkt der Türkei liegt noch etwas weiter östlich bei (abgerundet auf ganze Grad) 35° Ost, entsprechend einer Ortszeit von UTC+2:20.[13]
↑LGVBl. für Salzburg 71/1920: Kundmachung der Landesregierung in Salzburg vom 29. April 1920, Zl. 1872/Präs., betreffend die Wiederauflassung der Sommerzeit im Lande Salzburg. in: Landesgesetz- und Verordnungs⸗Blatt für das Land Salzburg. LXII. Stück, ausgegeben am 29. April 1920, S. 199 (Online bei alex.onb.ac.at)
↑StGBl. Nr. 236/1919: Vollzugsanweisung der Staatsregierung vom 15. April 1919 über die Einführung der Sommerzeit für das Jahr 1919. in: Staatsgesetzblatt für den Staat Deutschösterreich, 79. Stück, ausgegeben am 20. April 1919, S. 573 (Online bei alex.onb.ac.at)
↑StGBl. Nr. 244/1919: Vollzugsanweisung der Staatsregierung vom 24. April 1919, betreffend die Aufhebung der Vollzugsanweisung vom 15. April 1919, St. G. Bl. Nr. 236, über die Einführung der Sommerzeit. in: Staatsgesetzblatt für den Staat Deutschösterreich. 84. Stück, ausgegeben am 26. April 1919, S. 585 (Online bei alex.onb.ac.at)
↑R.H. van Gent: IV – Zomertijdregeling in Nederland (1916 tot nu). In: De wettelijke tijdregeling in Nederland. Institute for History and Foundations of Science, 26. März 2009, abgerufen am 3. Oktober 2009 (niederländisch).