Wappen | Deutschlandkarte | |
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Basisdaten | ||
Koordinaten: | 49° 59′ N, 7° 58′ O | |
Bundesland: | Hessen | |
Regierungsbezirk: | Darmstadt | |
Landkreis: | Rheingau-Taunus-Kreis | |
Höhe: | 90 m ü. NHN | |
Fläche: | 40,34 km2 | |
Einwohner: | 11.397 (31. Dez. 2023)[1] | |
Bevölkerungsdichte: | 283 Einwohner je km2 | |
Postleitzahlen: | 65366, 65385 (Am Rüdesheimer Hafen) | |
Vorwahl: | 06722 | |
Kfz-Kennzeichen: | RÜD, SWA | |
Gemeindeschlüssel: | 06 4 39 004 | |
LOCODE: | DE GEI | |
Stadtgliederung: | 4 Stadtteile | |
Adresse der Stadtverwaltung: |
Rüdesheimer Straße 48 65366 Geisenheim | |
Website: | www.geisenheim.de | |
Bürgermeister: | Christian Aßmann[2] (Parteilos) | |
Lage der Stadt Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis | ||
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Geisenheim ist eine Kleinstadt im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Sie liegt am Rhein zwischen Wiesbaden und Rüdesheim und ist als Wein-, Schul-, Dom- und Lindenstadt bekannt. Geisenheim ist Sitz der Hochschule Geisenheim und trägt daher seit dem 26. Oktober 2015 die amtliche Zusatzbezeichnung Hochschulstadt.[3][4]
Das Stadtgebiet zieht sich ungefähr in Süd-Nord-Richtung von der Fahrrinne des Rheins aus in einem etwa drei Kilometer breiten Streifen die Südhänge des Rheingaugebirges zum Taunushauptkamm empor. Der untere Teil der Gemarkungen von Geisenheim und Johannisberg um die bebaute Ortslage besteht bis auf eine Höhe von 250 Meter überwiegend aus Weinberglagen; der nördlich anschließende Teil ist bewaldet. Am Waldrand liegen das Wallfahrtskloster und die Trabantensiedlung Marienthal. Weiter oben auf einer Rodungsinsel findet sich Stephanshausen. Höchster Berg Geisenheims ist der Hörkopf mit 474 Meter. Hinter dem Taunushauptkamm hat Geisenheim Anteil am Hinterlandswald mit dem unteren Ernstbachtal und dem linken Wisperufer nahe der Kammerburg und der Lauksburg. Vom Rhein bis zur Wisper ist das Stadtgebiet 13 Kilometer lang.
Durch die Weinbergslage „Schloss Johannisberg“ zieht sich knapp südlich des Johannisberger Schlosses der 50. nördliche Breitengrad und ist mit zwei schmiedeeisernen Markierungen auf gemauertem Sockel kenntlich gemacht.
Der Stadt vorgelagert liegt die Schönborn’sche Aue, eine verlandete Rheininsel, die im Zuge einer Renaturierung wieder vom Festland gelöst wurde.
Geisenheim grenzt im Norden an die Stadt Lorch, im Osten an die Stadt Oestrich-Winkel, im Süden an die Städte Ingelheim und Bingen (beide Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz), sowie im Westen an die Stadt Rüdesheim.
Die Stadt Geisenheim ist aufgeteilt in vier Stadtteile: „Kernstadt“, Johannisberg (Grund, Berg, Schloßheide), Marienthal und Stephanshausen.
Johannisberg ist wohl der bekannteste Stadtteil von Geisenheim, ist er doch die Geburtsstätte der Spätlese (genauer: der systematischen Erzeugung von Auslesen) und für seine Weinlage weltbekannt. Im Schloss Johannisberg erinnert eine Statue an den unbekannten Spätlesereiter. Fürst von Metternich erhielt die Schlossdomäne 1816 nach dem Wiener Kongress aus den Händen Kaiser Franz I. zum Geschenk.
Marienthal erhielt seinen Namen nach dem nahegelegenen Kloster Marienthal. Das Kloster ist bekannt wegen seiner Marienwallfahrt, und hier gab es die erste Klosterdruckerei der Welt.[5]
In Geisenheim unterhält der Deutsche Wetterdienst eine Außenstelle der Abteilung Agrarmeteorologie. In der dortigen Wetterstation werden Klimadaten seit 1884 fortlaufend aufgezeichnet.[6]
Geisenheim | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Klimadiagramm | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Geisenheim
Quelle: wetterkontor.de
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Geisenheim wurde 772 erstmals urkundlich erwähnt. Erste Siedler ließen sich jedoch bereits um 500 in Geisenheim nieder, wie Ausgrabungen in den Jahren 1954 und 2016[7] belegen, bei denen die Reste eines fränkischen Friedhofes aus der Zeit zwischen den Anfängen des 6. und dem frühen 8. Jahrhundert freigelegt wurden.
Seit dem Mittelalter und in der Frühen Neuzeit gehörte Geisenheim zum Erzbistum Mainz, von 1806 bis 1866 zum Herzogtum Nassau, danach zum Königreich Preußen und seit 1946 zum Land Hessen. Seit 1864 besitzt Geisenheim Stadtrechte.
Während der NS-Zeit wurde am 26. September 1944 in den Werkshallen der Maschinenfabrik Johannisberg GmbH in Geisenheim ein Außenkommando des KZ Natzweiler-Struthof eingerichtet, um die hierhin ausgelagerte Rüstungsproduktion der Friedrich Krupp AG aufrechtzuerhalten. Am 12. Dezember 1944 kamen die ersten weiblichen KZ-Häftlinge nach Geisenheim. 200 Frauen wurden in Baracken untergebracht. Das Lager lag zwischen der Bahnlinie Rüdesheim-Wiesbaden, der Winkeler Straße und der Tankstelle Reutershan. Die Mehrzahl der Häftlinge waren polnische Jüdinnen, die aus dem Ghetto Lodz stammten und zuvor im KZ Auschwitz als „arbeitsfähig“ selektiert worden waren. Am 18. März 1945 mussten die Frauen den Marsch zum Dachauer KZ-Außenlager München-Allach antreten. Dort wurden sie schwer misshandelt und schließlich Anfang Mai von US-Amerikanern befreit.[8] Auch gab es auf dem Werksgelände ein firmeneigenes Lager mit 25 sowjetischen Kriegsgefangenen (Stand 1943).[9]
In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:[10]
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis die zuvor selbstständige Gemeinde Johannisberg und die Stadt Geisenheim zur erweiterten Stadt Geisenheim.[11][12][13] Am 1. Januar 1977 wurde Kraft Landesgesetz die zuvor selbstständige Gemeinde Stephanshausen nach Geisenheim eingegliedert.[14] Für die Stadtteile Talstadt, Marienthal, Johannisberg und Stephanshausen wurden Ortsbezirke errichtet.[15]
Die Kommunalwahl am 14. März 2021 lieferte folgendes Ergebnis,[16] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[17][18][19]
Parteien und Wählergemeinschaften | 2021 | 2016 | 2011 | 2006 | 2001 | |||||||
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% | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | % | Sitze | |||
CDU | Christlich Demokratische Union Deutschlands | 26,5 | 10 | 31,4 | 12 | 37,0 | 14 | 39,7 | 15 | 38,2 | 14 | |
Grüne | Bündnis 90/Die Grünen | 21,9 | 8 | 11,3 | 4 | 18,3 | 7 | 8,9 | 3 | 10,7 | 4 | |
SPD | Sozialdemokratische Partei Deutschlands | 21,3 | 8 | 30,4 | 11 | 32,8 | 12 | 35,0 | 13 | 36,6 | 14 | |
ZfB | Zeit für Bürger | 19,9 | 7 | 17,7 | 7 | – | – | – | – | – | – | |
FDP | Freie Demokratische Partei | 10,4 | 4 | 9,2 | 3 | 12,0 | 4 | 13,2 | 5 | 11,0 | 4 | |
FWG | Freie Wähler Geisenheim und Ortsteile | – | – | – | – | – | – | 3,3 | 1 | – | – | |
REP | Die Republikaner | – | – | – | – | – | – | – | – | 3,5 | 1 | |
Gesamt | 100,0 | 37 | 100,0 | 37 | 100,0 | 37 | 100,0 | 37 | 100,0 | 37 | ||
Wahlbeteiligung in % | 51,3 | 46,7 | 45,3 | 41,8 | 47,6 |
Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Geisenheim neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und neun weitere Stadträte angehören.[20] Bürgermeister ist seit dem 1. November 2017 Christian Aßmann, der bis dahin Kämmereileiter der Stadtverwaltung war. Der Amtsvorgänger Frank Kilian wechselte bald nach Beginn seiner zweiten Amtszeit am 5. Juli 2017 als Landrat zum Rheingau-Taunus-Kreis.[21] Somit musste die Wahl des neuen Bürgermeisters vorgezogen werden. Christian Aßmann erhielt am 8. Oktober 2017 in einer Stichwahl bei 50,6 Prozent Wahlbeteiligung 80,3 Prozent der Stimmen. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im März 2023.[22]
Folgende Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung, gibt es im Gemeindegebiet:[15]
Die Wahl der Ortsbeiräte erfolgt im Rahmen der Kommunalwahlen. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin.
Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 45,31 %. Dabei wurden gewählt: zwei Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der CDU und ein Mitglied der FDP.[26] Der Ortsbeirat wählte Sabine Frank (CDU) zur Ortsvorsteherin.[27]
Der Stadt Geisenheim im Rheingau-Taunus-Kreis ist am 5. Oktober 1978 vom Hessischen Minister des Innern ein Wappen mit folgender Blasonierung genehmigt worden: In Silber zwei doppelgeschossige rote Türme, durch eine gedeckte Brücke verbunden; über der Brücke ein sechsspeichiges rotes Rad; unter der Brücke ein roter, feuerspeiender Drache, von einer Lanze durchbohrt.[28]
Nach der Gebietsreform von 1972 wurde das Wappen der Stadt angepasst. Die beiden „alten“ Mainzer Räder wurden durch die Johannisberger Version des Mainzer Rades (oben) und durch den Stephanshausener Drachen (unten) ersetzt.
Die Stadt Geisenheim unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu
Am Pfefferzoll wurde von vorbeifahrenden Schiffern Zoll in Form des damals wertvollen Gewürzes verlangt. Das kleine Haus mit dem schönen Erker steht heute über 200 Meter vom Rhein entfernt im Südosten der Altstadt.
Direkt vor dem Rathaus steht auf dem Lindenplatz die geleitete Tanzlinde, ein Symbol der Stadt. Diese Winterlinde[29] ist vermutlich 700 Jahre alt und wurde 1585 als Gerichtslinde[30] erstmals erwähnt. In den 1970er Jahren wurde sie durch Krankheit ihrer oberen, zweiten Laubkrone beraubt. Im Juli findet das Lindenfest mit der Stunde der Heimat in den Straßen zwischen Dom und Rathaus statt.[31]
Im Westen und Osten der Stadt stehen alte Schlösser und Palais:
Im Westen von Geisenheim, an der Grenze zu Rüdesheim am Rhein, liegen das
Geisenheim weist neben einer hohen Dichte an Bildungs- und Forschungseinrichtungen ebenso eine leistungsfähige und stabile Wirtschaftsstruktur auf. Neben zahlreichen örtlichen Handels-, Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben haben auch einige international agierende Industrieunternehmen ihren Sitz in Geisenheim. Somit ist Geisenheim auch als Handels- und Industriestandort bedeutsam. Einschnitte ergaben sich durch die Abwanderung des großen Arbeitgebers MAN Roland Druckmaschinen-AG. Die örtliche Wirtschaft entwickelt sich seit Jahren wieder stabil und positiv.
In Geisenheim hat die Ferrostaal Industrieanlagen GmbH (ehem. Fritz Werner Werkzeugmaschinen) ihren Sitz, die wiederum ein Tochterunternehmen des Essener Ferrostaal-Konzerns ist. Die Wachendorff-Unternehmensgruppe, hervorgegangen aus der Firma „Wachendorff Prozeßtechnik KG“ von Rolf Wachendorff (* 1925),[33] beschäftigt ungefähr 470 Mitarbeiter und ist international führend bei Automatisierungstechnik und Steuerung. Das Familienunternehmen Erbslöh, vormals Geisenheimer Kaolinwerke, entwickelt und vertreibt Produkte für die Getränkeveredelung und -behandlung. Im Zuge einer fortlaufenden Expansion siedelte sich 2009 die GAT (Gesellschaft für Antriebstechnik mbH) in Geisenheim an. In der Alten Werkshalle, dem ehemaligen Sitz der MAN Roland Druckmaschinen-AG, siedelte sich im Jahre 2012 ein Unternehmen an, das auf Kunststoff-Recycling spezialisiert ist. In Geisenheim befindet sich weiterhin das Kino „Linden-Theater“, das heute durch eine gemeinnützige Gesellschaft als Integrationsbetrieb im Sinne der beruflichen Wiedereingliederung betrieben wird.
An Geisenheim vorbei führt die B 42, die Wiesbaden mit Koblenz verbindet.
Durch die Rechte Rheinstrecke kann Wiesbaden in einer halben Stunde per Bahn oder mit dem Regionalbus in rund einer Stunde erreicht werden.
Am Bahnhof Geisenheim ging am 3. Oktober 2014 ein Relaisstellwerk der Bauart Dr S2 außer Betrieb. Seither ist der Bahnhof Geisenheim an ein Elektronisches Stellwerk angeschlossen. Von diesem Stellwerk werden alle Bahnhöfe im Rheingau fernbedient. Eine Ausnahme bildet hier der Bahnhof Rüdesheim, der später angeschlossen werden soll. Mit der Umstellung wurde die Strecke für das signalgeführte Befahren des Gegengleises hergerichtet. Für die Bedienung des Bahnhofs Geisenheim ist nun der in der Betriebszentrale in Frankfurt am Main arbeitende Fahrdienstleiter „Lahnstein Süd“ zuständig.
Seit 2007 verbindet der Rhein-Main-Verkehrsverbund via Bus die Orte Marienthal, Johannisberg, Hallgarten, Presberg und Stephanshausen mit Geisenheim.
Auch eine Schiffsanlegestelle für kleine Personenschiffe ohne festen Fahrplan ist vorhanden.
Durch den Ort verläuft die Variante R3a des Hessischen Radfernweg R3 (Rhein-Main-Kinzig-Radweg). Der R3 führt unter dem Motto Auf den Spuren des Spätlesereiters. entlang von Rhein, Main und Kinzig über Fulda nach Tann in der Rhön. Auf dem ersten Teilstück bis Eltville am Rhein führt die Variante R3a über die Rheingauer Riesling Route.
Geisenheim verdankt seinen Ruf als Schulstadt der Konzentration von verschiedenen Schulen:
In Geisenheim befand sich seit 1872 die Forschungsanstalt Geisenheim für Wein- und Gartenbau. Die Forschungsanstalt kooperierte seit Beginn der 1970er Jahre im Bildungsbereich mit der Fachhochschule Wiesbaden, später in Hochschule RheinMain umbenannt, die einen Fachbereich in Geisenheim unterhielt. Der Schwerpunkt der Forschungsanstalt lag im Garten- und Weinbau sowie in der Getränketechnik. Der Fachbereich Geisenheim fusionierte zum 1. Januar 2013 mit der Forschungsanstalt Geisenheim zur Hochschule Geisenheim. Diese 13. Hochschule des Landes Hessen ist eine so genannte „Hochschule neuen Typs“ und vereinbart die praxisnahe studentische Ausbildung mit Bachelor- und Masterabschlüssen mit angewandter und Grundlagenforschung und hat Promotionsrecht. Aufgrund der Hochschule wurde der Stadt, gemäß Paragraf 13 Absatz 2 der Hessischen Gemeindeordnung, der Titel „Hochschulstadt“ verliehen.[4]
Das landeseigene Schloss Hansenberg in Johannisberg wurde im Jahr 2003 vom Land Hessen als Oberstufengymnasium für besonders leistungsstarke und sozial engagierte Schüler zu einer Internatsschule umgebaut.
Am 10. November 2005 übernahm Geisenheim auf Initiative eines Geisenheimer Triebfahrzeugführers als 150. Stadt die Patenschaft für einen ICE 1, der im Wiesbadener Hauptbahnhof auf den Namen „Geisenheim/Rheingau“ getauft wurde.[34]
Getauft wurde – durch den ehm. Bürgermeister Manfred Federhen und die damalige Weinkönigin Michaela Hans – der Triebzug 162, ein auslandsfähiger Triebzug der zweiten Bauserie des ICE1.
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