Rezzori besuchte das Honterus-Gymnasium in Kronstadt (Siebenbürgen) und Gymnasien in Fürstenfeld (Steiermark) und Wien. An der Montanuniversität Leoben studierte er Bergbau. Er wurde Fuchs beim Corps Schacht Leoben, bat aber nach zwei Mensuren um den Austritt, der ihm im Dezember 1932 erteilt wurde.[3] Der Grund lag nicht im Corps, sondern im Studium, für das er weder Neigung noch Talent besaß. In Wien ging er nach eigenem Bekunden nicht seinem Studium nach, sondern dem Dasein eines Dandys. Er kehrte nach Rumänien zurück, um sich seiner wahren Neigung, dem Zeichnen und der Grafik, zu widmen.[3] Zunächst hatte er seinen Militärdienst abzuleisten. Anschließend blieb er vier Jahre lang zeichnend und malend in Bukarest. Das in manchen Quellen erwähnte Kunststudium in Bukarest war in Wahrheit, so Rezzori selbst, ein Job als Schaufenstergestalter und Dekorateur, der ihn mehr schlecht als recht ernährte.[3] Er kehrte nach Wien zurück, übersiedelte aber bereits 1938, im Jahr mit dem Anschluss Österreichs, nach Berlin. Dort machte er das Schreiben zu seinem Beruf. Sein Erstling, der Roman Flamme, die sich verzehrt, wird zum Überraschungserfolg. Plötzlich gilt Rezzori als vielversprechendes Talent. Nach einem eher trivialen Roman wurde er von einer Illustrierten als Autor eines Feuilletonromans engagiert. Diese Tätigkeit übte er auch nach Beginn des Überfalls auf Polen aus, sogar als er, inzwischen verheiratet und Vater zweier Söhne, in Schlesien als Landwirtschaftseleve zum Einsatz kommt. Vor der Roten Armee flüchtete er 1945 mit seiner Frau und den inzwischen drei Söhnen nach Westen.
In einem Dorf bei Hamburg lernte er einen Journalisten kennen.[3] Von ihm zum gerade gegründeten Nordwestdeutschen Rundfunk vermittelt,
arbeitete Rezzori (bis 1948) als Journalist und Hörfunkautor in den Ressorts Politik, Kultur, Unterhaltung und Musik. Als Reporter berichtete er von den Nürnberger Prozessen.[4] So ist er (mit Andreas Günther) in einer Übertragung aus dem Gerichtssaal während der Urteilsverkündung gegen die Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher am 1. Oktober 1946 zu hören.[5]
Später war er freier Mitarbeiter des NWDR. Im Nachtprogramm erzählte er die ersten seiner Maghrebinischen Geschichten. Diese witzigen, mitunter tolldreisten Anekdoten und Legenden aus dem balkanischen Phantasieland Maghrebinien begründeten Rezzoris Welterfolg als Schriftsteller. Sie erschienen 1952 in Buchform. Nebenher blieb Rezzori als Drehbuchautor tätig und wirkte in rund einem Dutzend Filme als passionierter Gelegenheitsschauspieler mit (z. B. Viva Maria! 1965). Rezzori war seit 1958 Mitglied des (bundesdeutschen) PEN International.[6]
Aus seiner ersten Ehe, geschieden 1957, mit Priska von Tiedemann stammen drei Söhne. Eine zweite Ehe mit der Malerin Hanna Axmann wurde nach kurzer Zeit geschieden. 1967 heiratete er Beatrice Monti della Corte, die in Mailand die Galleria dell'Ariete zu einer namhaften Kunstgalerie machte. Auch befasste Rezzori sich intensiv mit Kunst. Seine private Sammlung, die auf die Wohnsitze in der Toskana, auf Rhodos und in Mailand verteilt wurde, legte davon Zeugnis ab. Das Feuilleton würdigte Rezzori als Chronisten einer versunkenen Epoche, der das Schreiben mit leichter Hand zur Meisterschaft gebracht hatte. Der Journalist Heinrich von Tiedemann war sein Schwager.
Ab Anfang der 1980er Jahre gestaltete er Beiträge für das Magazin Jolly Joker des Österreichischen Rundfunks. Er berichtete vor allem über Aristokraten, Berühmte und Reiche. Er war als Autor für den Playboy, Elle und in seinen letzten Lebensjahren regelmäßig für die österreichische Tageszeitung Kurier tätig. Durch seine journalistische Tätigkeit und die Maghrebinischen Geschichten hatte er ein Image als Schlawiner, Salonlöwe und Lebemann.[7][8]
Kurz vor seinem 84. Geburtstag gestorben, ist Rezzori im Garten seines Anwesens Santa Maddalena bei Florenz unter einer kleinen Steinpyramide begraben.[9]
Ein Hermelin in Tschernopol. Ein maghrebinischer Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg 1958, DNB454007604.
Ein Hermelin in Tschernopol. Mit einem Vorwort von Tilman Spengler und einem Nachwort von Heinz Schumacher. Neuausgabe, vom Autor revidierte Fassung. Berliner Taschenbuch-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-8333-0146-5.
Bogdan im Knoblauchwald. Ein maghrebinisches Märchen. Mit 6 farbigen Tafeln von Hanna Axmann-Rezzori. Rheinsberg Verlag Lentz, München 1958, DNB454007493.
Hochadel. Vorstoß in die gesellschaftliche Stratosphäre. Anleitungen zum Umgang mit allerhöchsten, höchsten und hohen Herrschaften (= Idiotenführer durch die deutsche Gesellschaft. Band1). Rowohlt Verlag, Reinbek 1962, DNB454007639.
Adel. Aus guten Kisten und, wenn möglich, noch besseren Ställen. Wertvolle Anleitungen zu Kenntnis und Verständnis der vorbildgebenden, tonangebenden sowie schlichthin angebenden Gesellschaftsschicht (= Idiotenführer durch die deutsche Gesellschaft. Band2). Rowohlt Verlag, Reinbek 1963, DNB454007647.
Schickeria. Das Paradies auf Erden, hier und heute. Wesenszüge und Merkmale der führenden und treibenden Kräfte des bundesdeutschen High Life (= Idiotenführer durch die deutsche Gesellschaft. Band3). Rowohlt Verlag, Reinbek 1963, DNB454007701.
Prominenz. Vom Tun und Sein der Illüstren aus den Illustrierten. Ein Maßstab für das Übermaß des Mittelmaßes (= Idiotenführer durch die deutsche Gesellschaft. Band4). Rowohlt Verlag, Reinbek 1965, DNB454007728.
Die Toten auf ihre Plätze! Tagebuch des Films „Viva Maria“. Rowohlt Verlag, Reinbek 1966, DNB457931310.
1001 Jahr Maghrebinien. Eine Festschrift. Herausgegeben zur Feier der Wiederauferstehung des maghrebinischen Geistes. Rowohlt Verlag, Reinbek 1967, DNB457931299.
Der Tod meines Bruders Abel. Roman. Bertelsmann Verlag, München 1976, ISBN 3-570-02176-9.
In gehobenen Kreisen. F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München/West-Berlin 1978, ISBN 3-7766-0907-9.
Memoiren eines Antisemiten. Ein Roman in 5 Erzählungen. Verlag Steinhausen, München 1979, ISBN 3-8205-3496-2.
Denkwürdigkeiten eines Antisemiten. Mit einem Vorwort von Péter Nádas. Neuausgabe, vom Autor revidierte Fassung. Berliner Taschenbuch-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-8333-0126-0.
Der arbeitslose König. Maghrebinisches Märchen. Bertelsmann Verlag, München 1981, ISBN 3-570-05901-4.
Kurze Reise übern langen Weg. Eine Farce. Bertelsmann Verlag, München 1986, ISBN 3-570-05276-1.
Kurze Reise übern langen Weg. Roman. Mit einem Vorwort von Gerhard Köpf. Neuausgabe. Berliner Taschenbuch-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8333-0439-2.
Blumen im Schnee. Portraitstudien zu einer Autobiographie, die ich nie schreiben werde. Auch: Versuch der Erzählweise eines gleicherweise nie geschriebenen Bildungsromans. Bertelsmann Verlag, München 1989, ISBN 3-570-08296-2.
Blumen im Schnee. Mit einem Nachwort von Corinna Schlicht. Neuausgabe. Berliner Taschenbuch-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-8333-0314-2.
Über dem Kliff. Erzählung. Bertelsmann Verlag, München 1991, ISBN 3-570-01495-9.
Ein Fremder in Lolitaland. Ein Essay. Claassen-Verlag, Hildesheim 1993, ISBN 3-546-00051-X (amerikanisches Englisch: A Stranger in Lolitaland. Übersetzt von Uwe Friesel).
Ein Fremder in Lolitaland. Zweisprachige Neuausgabe. Berliner Taschenbuch-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-8333-0364-6.
Greisengemurmel. Ein Rechenschaftsbericht. Bertelsmann Verlag, München 1994, ISBN 3-570-12068-6.
Der Schwan. Eine Erzählung. Goldmann Verlag, München 1994, ISBN 3-442-42732-0.
Der Schwan. Über dem Kliff. Affenhauer. Drei Novellen. Mit einem Nachwort von Heinz Schumacher. Neuausgabe. Berliner Taschenbuch-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-8333-0358-1.
Italien, Vaterland der Legenden, Mutterland der Mythen. Reisen durch die europäischen Vaterländer oder wie althergebrachte Gemeinplätze durch neue zu ersetzen sind. Bertelsmann Verlag, München 1996, ISBN 3-570-12271-9.
Frankreich. Gottesland der Frauen und der Phrasen. Reisen durch die europäischen Vaterländer oder wie althergebrachte Gemeinplätze durch neue zu ersetzen sind. Bertelsmann Verlag, München 1997, ISBN 3-570-12277-8.
1958: Die Halbstarken (auch Sprecher) – Regie: Wolfgang Schwade (Hörspiel – NDR)
1959: Mirtschas Liebe oder: Das Märchen des Nene Naje Jaurdschju. Eine maghrebinische Kantate (auch Sprecher: Der Märchenerzähler) – Regie: Gert Westphal (Hörspiel – SWF)
Wolfgang Bittner, Mark vom Hofe: Geboren in der Bukowina. Gregor von Rezzori. In: Ich bin ein öffentlicher Mensch geworden. Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen. Horlemann Verlag, Bad Honnef 2009, ISBN 978-3-89502-277-7.
Andrei Corbea-Hoișie, Jacques Lajarrige: Irreführung der Dämonen. Acht Essays zu Gregor von Rezzori. Parthenon-Verlag, Kaiserslautern/Mehlingen 2014, ISBN 978-3-942994-08-8.
Hans-Jürgen Froböse: Die schönsten Geschichten aus Maghrebinien, ausgewählt und nacherzählt (frei nach Gregor von Rezzori). 2. Auflage. Bock & Herchen Verlag, Bad Honnef 2009, ISBN 978-3-88347-271-3.
Valentina Glajar: After Empire: Postcolonial Bukovina in Gregor von Rezzori's 'Blumen im Schnee' (1989). In: The German Legacy in East Central Europe as Recorded in Recent German-Language Literature. Camden House, Columbia, SC 2004, ISBN 1-57113-256-2.
Katarzyna Ja´stal: Erzählte Zeiträume. Kindheitserinnerungen aus den Randgebieten der Habsburgermonarchie von Manès Sperber, Elias Canetti und Gregor von Rezzori. Aureus, Kraków 1998, ISBN 83-87887-04-8.
Gerhard Köpf (Hrsg.): Gregor von Rezzori. Essays, Anmerkungen und Erinnerungen. (= Autoren im Kontext. Duisburger Studienbögen. Band 3). Verlag Karl Maria Laufen, Oberhausen 1999, ISBN 3-87468-159-9.
Gerhard Köpf: Vor-Bilder. Tübinger Poetik-Vorlesung. Konkursbuchverlag, Tübingen 1999, ISBN 3-88769-705-7.
Jacques Lajarrige: Gregor von Rezzori. Etudes réunies. (= Austriaca. 54). Univ. de Rouen, Centre d'Études et de Recherches Autrichiennes, Mont-Saint-Aignan 2003, ISBN 2-87775-340-9.
Gero von Boehm: Gregor von Rezzori. 15. Juni 1990. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 239–248.
Fried Nielsen: Gregor von Rezzori auf dem antiquarischen Buchmarkt. Editionsgeschichte und Bibliographie. In: Aus dem Antiquariat. Neue Folge 12, 2014 Nr. 1, S. 18–23.
Fried Nielsen (Hrsg.): Gregor von Rezzori, Bibliografie, Nieswand Verlag GmbH, Kiel 2014, ISBN 978-3-89567-041-1.
Fried Nielsen: Gregor von Rezzoris Roman „Ein Hermelin in Tschernopol“ gegen den Strich gelesen: Nikolaus Tildy – Ein Romanheld für unsere Zeit?, Fried Nielsen (Selbstverlag), Kiel 2018
Fried Nielsen, Jacques Lajarrige (Hrsg.): Gregor von Rezzoris „Tanz mit dem Jahrhundert“, Frank & Timme, Verlag für wissenschaftliche Literatur, Berlin 2018, ISBN 978-3-7329-0425-9.
Dietmar Noering: Intimer Nachruf auf Walhalla Fürstin von ***. Niedergeschrieben für ihre Freunde Oswin von Affenpin und Gregor von Rezzori. In: die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik. Jg. 35, Ausgabe 159, 1990, S. 93–98.
Playboy: Alles, was Männern Spaß macht. 5/1982, S. 3.
П. В. Рихло: Ukrainische Motive in der deutschsprachigen Literatur der Bukowina. In: Zwischenwelt: Zeitschrift fur Kultur des Exils und des Widerstands (Wien). 17. Jg., Nr. 2, Juli 2000, S. 32–36.
П. В. Рихло: Чернівці як топос буковинської мультикультури // Збереження й використання культурної спадщини України: Чернівці на шляху до ЮНЕСКО. Чернівці, 2004.
Cristina Spinei: Über die Zentralität des Peripheren: Auf den Spuren von Gregor von Rezzori. Frank & Timme, Berlin 2011, ISBN 978-3-86596-337-6.
Thorsten Windus: Bibliographie Gregor von Rezzori.die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik, Jg. 35, Band 3/1990, Ausgabe 159, S. 99–111.
Hans Thomas Wolf: Die lange Wanderschaft. Czernowitz, Wien, Berlin, Hamburg, Paris, Rom, New York, Florenz – die Stationen auf dem Lebensweg des österreichisch-rumänischen Schriftstellers Gregor von Rezzori (1914–1998) sind zahlreich. Eine dieser Stationen war auch Leoben, wo er dem Corps Schacht angehörte. CORPS Deutsche Corpszeitung 123. Jahrgang, Ausgabe 2/2021, S. 16–19.
Gregor Gatscher-Riedl: Corpsstudentische Bezüge im Leben und im Roman „Memoiren eines Antisemiten“ des altösterreichischen Schriftstellers Gregor von Rezzori (1914–1998). In: Einst und Jetzt. Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung. Bd. 69, 2024, S. 285–303.