Wolfgang Metzger (* 22. Juli 1899 in Heidelberg; † 20. Dezember 1979 in Bebenhausen) war ein deutscher Psychologe. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der zweiten Generation der Gestalttheorie der Berliner Schule in Deutschland – zusammen mit Edwin Rausch und Kurt Gottschaldt.
Wolfgang Metzger studierte in Berlin Philosophie und Psychologie bei den Begründern der Gestaltpsychologie, Wolfgang Köhler und Max Wertheimer. Nach dem Wechsel Wertheimers von Berlin an die Universität Frankfurt am Main holte Wertheimer ihn 1932 als Assistenten nach Frankfurt. Bereits 1933, im Jahr der Entlassung Wertheimers aus politischen Gründen, trat Metzger der SA bei, am 22. Mai 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.702.876).[1][2] 1942 nahm er einen Ruf an die Universität Münster an (Lehrstuhl für Psychologie und Pädagogik) und baute dort ein psychologisches Institut auf.[3]
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Metzger zum einflussreichsten Vertreter der gestaltpsychologischen Schule in Deutschland. Seine Hauptwerke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Besonders eng waren seine Verbindungen zu gestalttheoretisch orientierten Forschern und Wissenschaftlern in Japan und Italien,[4] wo seine Arbeiten sehr geschätzt wurden und vor allem die Wahrnehmungsforschung stark beeinflussten. Die Aktualität seiner Forschungen auf diesem Gebiet zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sein 1937 erstmals erschienenes wahrnehmungspsychologisches Hauptwerk Gesetze des Sehens 2006 ins Englische übersetzt wurde ('Laws of Seeing').
1947 zählte Metzger gemeinsam mit Pastor Bodelschwingh und Pater Marquardt, dem Philosophen Romano Guardini, dem Psychologen Wilhelm Hische und den Psychiatern Heinrich Schulte und Gustav E. Störring zu den Begründern der Interdisziplinären Studiengesellschaft (ISG) mit der Zielsetzung, „dass sich ein Phänomen wie das ‚Dritte Reich‘ in Deutschland nie wiederholen kann“.[5]
Bis zu seiner Emeritierung 1968 war er Professor für Psychologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Anfang der 1950er-Jahre wurde am Institut eine der ersten Erziehungsberatungsstellen aufgebaut, worin sich Metzgers Interesse an der Praxis der pädagogischen Psychologie zeigte, einem Fachgebiet, zu dem er auch zahlreiche Publikationen vorlegte.[6] Seine erziehungspychologischen Arbeiten weisen auch eine Nähe zum Denken des Taoismus und Zen-Buddhismus auf.[7]
Wolfgang Metzger hat sich auch um die empirisch-experimentelle Überprüfung von Hypothesen der Tiefenpsychologie bzw. der Psychoanalyse verdient gemacht. Einen Überblick dazu geben Beiträge in seinen Ausgewählten Werken, die von Michael Stadler (ehem. Assistent Metzgers, Professor an der Universität Bremen) und Heinrich Crabus herausgegeben wurden. Ab 1972 schrieb er zahlreiche erläuternde Vorworte zu den im Fischer-Taschenbuch-Verlag herausgegebenen Werken Alfred Adlers.
Er war erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (1962–1964) und seit 1970 deren Ehrenmitglied. Er war 1962 Mit-Begründer und erster Vorsitzender der Alfred Adler-Gesellschaft (später Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie) und Ehrenvorsitzender der Gesellschaft für Gestalttheorie und ihre Anwendungen (GTA). Letztere schreibt alle zwei Jahre international einen nach Wolfgang Metzger benannten wissenschaftlichen Preis aus.[8]
Als seine Hauptwerke gelten:
Personendaten | |
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NAME | Metzger, Wolfgang |
KURZBESCHREIBUNG | deutscher Psychologe, Vertreter der zweiten Generation der Gestalttheorie |
GEBURTSDATUM | 22. Juli 1899 |
GEBURTSORT | Heidelberg |
STERBEDATUM | 20. Dezember 1979 |
STERBEORT | Bebenhausen |